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Ein Nachmittag zwischen Oszillatoren und Vinyl-Schätzen

  • Autorenbild: EFA
    EFA
  • 20. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Apr.

Synthesizer und Schallplatten Flohmarkt in Erfurt


Am 18. April wurde die „JederKann Galerie“ in Erfurt zum Ausflugsziel für Menschen, die mehr Knöpfe an ihren Geräten brauchen, als ein durchschnittlicher Airbus-Pilot. Ein Rückblick auf den wohl nerdigsten Flohmarkt Thüringens.


Hier kommt ein kleiner, aber feiner Rückblick von der Abteilung für analoge Nostalgie.


Synthesizer & Schallplatten Flohmarkt am Leipziger Platz 9 in Erfurt.

Ein Bollwerk aus Platinen und Vinyl


Wer am vergangenen Samstagnachmittag zufällig den Leipziger Platz kreuzte, hätte meinen können, die NASA habe eine geheime Außenstelle in einer Erfurter Galerie eröffnet. Doch statt Astronauten in sterilen Anzügen drängten sich Menschen mit Cordhosen und einer verdächtig hohen Dichte an Jutebeuteln in die „Jederkann Galerie“. Der Grund: Der Synthesizer & Schallplatten Flohmarkt, organisiert von der Musikbildungsinitiative „Elektrische Frequenz Arrangement“ (EFA).


Stephan Ratajczak und Toni Materne, zwei der drei Gesichter hinter dem Ganzen, hatten es prophezeit: „Gear wandert ständig von Hand zu Hand.“ Und gewandert ist es. Zwischen modularen Systemen, die aussahen wie die Schalttafel eines sowjetischen Atomkraftwerks, und Effektpedalen, bei denen man sich fragte, ob sie Musik machen oder Kontakt zum Mars aufnehmen, wurde gefachsimpelt, was das Zeug hält.


Hier wird das Wort „Effektpedal“ nicht mit Fahrradteilen verwechselt. Hier weiß man, dass ein „Filter“ nichts mit Kaffee zu tun hat – obwohl der vor Ort glücklicherweise auch floss, um die trockenen Kehlen derer zu befeuchten, die seit drei Stunden über die Vorzüge von analogen gegenüber digitalen Oszillatoren debattierten.



Zwischen Vinyl-Gold und bunten Lichtern


An den Ständen herrschte Goldgräberstimmung. Wer nach seltenen Vinyl-Pressungen grub, tat dies mit einer Hingabe, die man sonst nur von Archäologen bei der Freilegung von Troja kennt. Von staubigen Techno-Scheiben bis hin zu Hip Hop-und japanischen Idol-Platten, die so nostalgisch und gleichzeitig erfrischend klangen, dass man sich darin hätte duschen können.


Besonders charmant: Die Teststationen. Endlich konnte man mal an Knöpfen drehen, ohne dass ein genervter Verkäufer im Musikhaus einem auf die Finger haut. „Basics“, wie wir sie nennen, wurden live vermittelt. Wie kriegt man aus diesem Kasten einen Ton, der nicht nach einer kaputten Mikrowelle klingt? Die Antwort gab es direkt am Mischpult und sowohl von den Händlern, als auch vom EFA-Team.


Schallplatten-Waschstraße zum Synthesizer und Schallplatten FLohmarkt.

Die Ironie des Sammelns


Natürlich schwang wie immer eine Prise Ironie mit. Wir schleppen kistenweise schweres Vinyl, während unsere gesamte Musikbibliothek eigentlich auf einen USB-Stick passen würde, der kleiner ist als ein Fingernagel. Aber darum geht es nicht. Es geht um das Ritual: Das Knistern beim Auflegen und das haptische Vergnügen, ein echtes Objekt in den Händen zu halten.


Wie weit diese Liebe zum Material geht, zeigte sich an der Schallplatten-Waschstraße, die so rege genutzt wurde, als gäbe es hier Freibier. Da standen gestandene Sammler geduldig Schlange, um ihre Schätze einer Wellness-Behandlung zu unterziehen. Es hat fast schon etwas Meditatives, zuzusehen, wie der Schmutz von Jahrzehnten aus den Rillen gesaugt wird, nur damit die Pressung von 1978 wieder diesen einen Hauch „wärmer“ klingt. Es ist die bewusste Entscheidung für die materielle Widerständigkeit in einer digitalen Welt und seien wir ehrlich: Wer braucht schon Cloud-Speicher, wenn er ein Regal voller frisch gewaschener Musik hat, die bei der nächsten Wohnungsauflösung als sicherer Grund für einen Bandscheibenvorfall dienen kann?



Fazit: Wir kommen wieder


War es nerdig? Ja, absolut. War es notwendig? In einer Welt, in der Musik oft nur noch ein Algorithmus auf einem Streaming-Dienst ist, war das ein Nachmittag zwischen Oszillatoren und Vinyl-Schätzen. Die „Raumschiff-Zentrale“ hat bewiesen, dass Erfurt bereit ist für mehr Frequenzen, mehr Vinyl und vor allem mehr Austausch.


Das EFA-Team und die Galerie haben hier etwas geschaffen, das nach Wiederholung schreit. Und keine Sorge: Wir werden es wiederholen. Bis zum nächsten Mal :)


Fotos by Lachriz


4 Kommentare

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T.K.
21. Apr.
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Und einfach noch einmal ein riesiges Lob an die Leute von EFA...


Komplett geerdet, trotz Stress. Stände schön, Toiletten sauber, kein Beef, kein Nerv. Einfach gut. Gut für Verkäufer und Besucher. Kann man nicht besser machen. Also, ich wäre definitiv wieder dabei. Bis dann, Thomas

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TK
21. Apr.
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Das war mega. Wir kommen wieder.

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TNB Records
TNB Records
21. Apr.
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Hat richtig viel Spaß gemacht! Gerne wieder! <3

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Andreas
21. Apr.

Danke nochmals an das EFA-Team, dass Ihr die Veranstaltung möglich gemacht habt. 👍🏻

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