Als der Schrebergarten leuchten lernte.
- EFA

- 28. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 29. Juli
Licht-Klang-Kunst in der Kleingartenanlage „Erdbeere“
Am 11. Juli verwandelte sich die Kleingartenanlage „Erdbeere" in Erfurt für einen Abend in etwas, das ihre Gründer:innen vermutlich nicht auf dem Zettel hatten, als sie in den 1920er-Jahren die ersten Beete umgruben: einen begehbaren Klang-Licht-Raum. Ein Rückblick von der Abteilung für Kobolde, Modularsynthesizer und schmerzende Wadenmuskeln.

1,5 Hektar Herausforderung
Wer die „Leuchtenden Gärten" plant, lernt schnell: Ein historischer Hohlweg durch 1,5 Hektar öffentliche Parkfläche sieht auf dem Papier hübsch überschaubar aus. In der Realität ist er vor allem eins – lang. Sehr lang, wenn man Technik, Lichtinstallationen und Boxen von A nach B schleppt. Das EFA-Team kann bestätigen: Die größte Herausforderung des Tages war nicht die Klangkulisse, sondern die eigene Wadenmuskulatur. Der musikalische Ablauf geriet dadurch minimal ins Rutschen – aber wer schon mal versucht hat, einen Park oder eine Wiese in eine Bühne zu verwandeln, weiß, dass „leichte Verzögerung" hier fast schon ein Kompliment ist.
Der Technikaufbau zu den Leuchtenden Gärten in der Kleingartenanlage Erdbeere e.V. Das neue Schild präsentiert sich anlässlich der Leuchtenden Gärten. Mit Laptop und Projektor werden erste Vorbereitungen getroffen. Gäste tummeln sich auf dem Gelände der Parkanlage der Kleingartenanlage Erdbeere e.V. Kabelsalat beim Aufbau der Stationen zu den Leuchtenden Gärten am 11.07.26 Frank Fairlight beim Aufbau seines Synthesizer Setups.
Kobolde statt Mandalas
Ursprünglich war von Mandalas und Papierlichtern die Rede. Am Ende wurde daraus etwas viel Charmanteres: Gemeinsam mit Theater Magica zauberten die Workshop-Teilnehmenden kleine weiße Kobolde auf schwarzes Papier – Figuren, die im Laufe des Nachmittags entstanden und am Abend in den Bäumen der Anlage hingen, als hätten sie sich dort schon immer versteckt.
Parallel dazu führte Theater Magica ganz klassisch die Nachtfarbenmalerei auf schwarzem Tüll durch: Mit Einbruch der Dunkelheit schienen auch diese Figuren zwischen den Bäumen zu schweben, als hätte der Garten selbst beschlossen, ein bisschen zu verzaubern. Der Workshop war durchgehend gut besucht, quer durch die Generationen, und offenbar auch für den MDR interessant genug für einen eigenen Beitrag. Kleingarten trifft Lichtkunst trifft Landesrundfunk – das muss man dem Konzept erstmal nachmachen.

Weiße Farbe auf schwarzem Grund: Erste Kunstwerke werden in die Büsche gehangen. Pinsel-Set für die Workshops. Kleine Wahrheiten auf einer Tasse.
Warm-Up zwischen Beeten
Bevor die Elektronik-Schwergewichte übernahmen, sorgte Herr Radinski für ein herzliches Warm-Up zum Reinkommen und Entspannen – die perfekte Einstimmung, um mit einem Kaltgetränk in der Hand auf der Wiese das Leben zu genießen. Danach übernahm Klinke auf Cinch, an diesem Tag vertreten durch Clemens Kynast und Lutz Hartmann, mit heißen Vinylscheiben voller House und tanzbarer Electronica. Feinste Ohrenschmäuse, unweit der Kohl-und Rübenbeete entfernt – auch das muss man in Erfurt erstmal so hinbekommen.
Gäste unterhalten sich auf der Wiese der Kleingartenanlage Erdbeere e.V. Eine Meerjungfrau verirrte sich zu den Leuchtenden Gärten. Famileien genossen die entspannte Athmosphäre am 11.07.26 zu den Leuchtenden Gärten. Martin Thoms gestaltet weiße Figuren auf schwarzem Tüll. Freunde, Kollegen und Kleingärtner:innen trafen sich zum gemütlichen Beisammensein. Herr Radinski beim Mischen am DJ-Mixer. Nach dem Aufbau ist vor dem Abbau. nthirteens Setup für seine Live-Performance. Gäste unterhalten sich auf der Wiese der Kleingartenanlage Erdbeere e.V.
Der Moment, in dem die Erdbeere leuchtete
Der eigentliche Zauber begann mit der Dämmerung. André Neumann alias nthirteen fuhr seine Band, bestehend aus Synthesizer, Sampler und Looper, hoch und strich mit einem Geigenbogen über seine E-Gitarre, während die Sonne unterging. Goldenes Abendlicht mischte sich mit Farbspots in Türkis, Lila und Blau – die „Erdbeere" versank für ein paar Minuten in einem verträumten Meer aus Musik und Farbe, das man in einer Kleingartenanlage einfach nicht erwartet.
Getoppt wurde dieser Moment höchstens von Frank Fairlight – bekannt in gewissen Kreisen auch als der Jean-Michel Jarre aus Mechterstedt – der auf den beleuchteten Terrassen ein Ambient-Set spielte, das Stimmung und Energie des Abends noch einmal auf den Punkt brachte. Analoge Klangflächen zwischen Johannisbeersträuchern: Es gibt schlechtere Feierabendbeschäftigungen.

Nachtmalereien beginnen zu leuchten. nthirteen spielt Live zu den Leuchtenden Gärten in der Kleingartenanlage Erdbeere e.V. Nachtmalereien beginnen zu leuchten. Frank Fairlight spielt Live zu den Leuchtenden Gärten in der Kleingartenanlage Erdbeere e.V. Die Terassen werden in buntes Licht getaucht. nthirteen spielt Live zu den Leuchtenden Gärten in der Kleingartenanlage Erdbeere e.V. Die Sonnensegel leuchten in verträumten Farben. Frank Fairlight spielt Live zu den Leuchtenden Gärten in der Kleingartenanlage Erdbeere e.V. Die Sonnensegel leuchten in verträumten Farben. nthirteen spielt Live zu den Leuchtenden Gärten in der Kleingartenanlage Erdbeere e.V. Magische Gegenstände verzaubern die Kleingartenanlage Erdbeere e.V. nthirteen spielt Live zu den Leuchtenden Gärten in der Kleingartenanlage Erdbeere e.V. Die Sonnensegel leuchten in verträumten Farben. nthirteen spielt Live zu den Leuchtenden Gärten in der Kleingartenanlage Erdbeere e.V. Ein Videomapping verwandelt das Vereinsheim in eine lebendige Leinwand. nthirteen spielt Live zu den Leuchtenden Gärten in der Kleingartenanlage Erdbeere e.V. Die Sonnensegel leuchten in verträumten Farben. Frank Fairlight spielt Live zu den Leuchtenden Gärten in der Kleingartenanlage Erdbeere e.V.
Satt wurde niemand, der nicht wollte
Für die kulinarische Versorgung sorgten gleich zwei Seiten der Gartenzaun-Diplomatie: Fleischliebhaber:innen wurden vom Marienhof auf dem Ringelberg versorgt, während Fairly Fair mit nachhaltigen Zutaten für Vegetarier:innen und Veganer:innen auftischte. Zwischen Lichtkunst und Ambient-Klängen fand also auch die Grillzangen-Fraktion und die Tofu-Fraktion friedlich zueinander – Basisdemokratie eben, ganz im Sinne der Kleingartenanlage.
Essen & Trinken im Biergarten der Kleingartenanlage Erdbeere e.V. Ehrenamtliche Einlasshelfer Vinylscheiben im Sonnenlicht.
Fazit: Unkonventionelle Orte, konventionell gute Idee
Was am Ende bleibt, ist genau das, worauf das EFA-Team gehofft hatte: die Erkenntnis, wie viel kreatives Potenzial in Erfurter Orten steckt, an denen man es zuerst gar nicht vermutet. Als der Schrebergarten leuchten lernte und zur Bühne wurde, Kobolde in Bäume einzogen, und ein Geigenbogen auf eine E-Gitarre traf, während irgendwo im Hintergrund der Duft von Grillfleisch und veganem Streetfood durch die Beete zog.
Das EFA-Team, Theater Magica und die Kleingartenanlage „Erdbeere" haben gezeigt, dass Basisdemokratie und Modularsynthesizer erstaunlich gut zusammenpassen. Bis zum nächsten Mal :)
Fotos von Andreas Kubitza
Event by EFA




Diese Veranstaltung war etwas ganz Besonderes. Es hatte etwas magisches und man konnte für den Moment in eine andere Welt abtauchen. Man war umgeben von einer tollen Kulisse, Lichtern und herrlichen Klängen. Die Stimmung war eine Mischung aus Freude, Gelassenheit und ein friedliches Miteinander. Einfach rundum gelungen. Freu mich schon auf das nächste Mal.
Tolle Location, schöne Veranstaltung!
Abgesehen von dem herrlichen Wetter, war es eine gelungene Veranstaltung in einer außergewöhnlichen Umgebung. Großes Lob an den Veranstalter und alle Mitwirkenden! 😊
Unglaublich wie schön diese unscheinbare Parkanlage in der Erdbeere ist <3
War ein sehr schöner Abend :) Tolle Fotos!!