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Klang & Knöpfe: Von Tiefsee über Asphalt zum Blätterrauschen

  • Autorenbild: EFA
    EFA
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Sounddesign-Workshop beim Auerworld Festival 2026 in Auerstedt


Freitagmittag, die Sonne strahlt sommerlich auf das Festivalgelände bei Auerstedt. Während sich zwischen den Weiden die ersten Menschen vergnügt zur Morgendusche aufmachen und die Yoga-Wiese auf dem Sportplatz zum Anlaufpunkt für all jene wird, die den Tag mit dehnender Ausgeglichenheit beginnen wollen, passiert im Electric Circus etwas Unerhörtes: Es wird nachgedacht. Und zwar über Frequenzen.


Unter dem Titel „Klang & Knöpfe“ haben wir für 4 Stunden ein improvisiertes Klanglabor aufgebaut. Die Mission: Den Festival-Menschen eine Frage stellen, die sonst im Line-up untergeht. Wie klingt eigentlich deine Umwelt – und wie überredet man einen Synthesizer, genau diese Geschichte zu erzählen? Ein Rückblick aus der Abteilung für Presslufthammer-Patches und Wasserdruck-Bässe.


Andreas Tenner und Stephan Gruber beim Testen des Korg Elekctribe MK2.
Andreas Tenner und Stephan Gruber beim Testen des Korg Elekctribe MK2.

Der Nullpunkt: Was ist eigentlich ein Geräusch?


Bevor auch nur ein einziger Regler gedreht werden durfte, gab es die erste soziale Hürde: Die Definition dessen, was wir eigentlich hören. Ist das nun ein Ton, ein Geräusch oder schon Krach? Keine trockene Theorie, sondern der unvermeidliche Realitäts-Check. Wer zum ersten Mal versucht, die akustische Tristesse einer Betonwüste in eine analoge Wellenform zu gießen, merkt schnell: Die eigene Umwelt zu ertragen ist eine Sache, sie in Oszillatoren zu übersetzen eine ganz andere.


Drei Stationen, drei Welten


Das Setup war überschaubar, aber effektiv in drei Welten unterteilt: Unterwasser (gedämpfte, wabernde Bässe für die schlechten Tage), Stadt (mechanischer, aggressiver Rhythmus für den Berliner Seelenzustand) und Wald (unregelmäßige, organische Flächen für die Aussteiger-Romantik).


Dazwischen konnte man im minimalistischen Maschinenpark umher wandern: Roland T-8 und S-1, ein Behringer JT-Mini, ein Pharao, ein Waldorf Rocket, der Korg Electribe und der allseits beliebte Arturia MicroFreak. Kein verstaubtes Hochschullabor, sondern haptische Plastik- und Metallkisten, die darum bettelten, angefasst zu werden.


  • Klang & Knöpfe Workshop zum Auerworld Festival 2026
  • Klang & Knöpfe Workshop zum Auerworld Festival 2026
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Wer braucht schon Berührungsängste?


Das Erstaunliche an solchen Formaten ist ja immer die Erkenntnis, dass man kein elitäres Tonstudio-Diplom braucht, um Lärm zu machen. Die Hemmschwelle, die sonst vor jedem technisierten Gerät aufgebaut wird („Ich kauf lieber nix, ich mach das eh kaputt“), war nach zehn Minuten Makulatur. Wer keine Ahnung von Filtern, Hüllkurven oder Cutoff hatte, schraubte eben so lange, bis das Kopfkino hörbar wurde. Kein Vorführeffekt, kein akademisches Gehabe – einfach Machen.


Es war ein ständiges Kommen und Gehen. Mal zwanzig Leute unter dem riesigen Sonnensegel, mal dreißig, je nachdem, wie stark der Kater vom Vorabend oder die Hitze drückte. Manche blieben fünf Minuten, um mal eben schnell den Bass zu triggern und direkt weiter zur nächsten Bühne zu ziehen. Andere hingen die vollen vier Stunden fest. Perfekt so. Niemand musste sich rechtfertigen, niemand einen Anwesenheitsschein vorlegen.


  • Klang & Knöpfe Workshop zum Auerworld Festival 2026
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Die To-Do-Liste für die Zukunft


Seien wir ehrlich: Das Gear war kompakt. Für die nächste Runde nehmen wir uns vor, das Arsenal aufzustocken und – was das Wichtigste ist – den Leuten endlich etwas Greifbares mitzugeben. Ein kleiner USB-Mitschnitt oder Download-Link des eigenen Noise-Kunstwerks für die Daheimgebliebenen. Aus dem Festival-Experiment soll schließlich ein handfestes Andenken werden.


Am Ende blieb ein ein schattiges Plätzchen, in dem nicht konsumiert, sondern produziert wurde. Tiefsee, Asphalt und Wald, aus Kabeln und Steckern zusammengebastelt, mitten im thüringischen Idyll. Man muss den Leuten kein Handbuch hinlegen, damit sie kreativ werden. Man muss ihnen nur die Werkzeuge in die Hand drücken und sagen: Probier einfach mal.


  • Klang & Knöpfe Workshop zum Auerworld Festival 2026
  • Klang & Knöpfe Workshop zum Auerworld Festival 2026
  • Klang & Knöpfe Workshop zum Auerworld Festival 2026

Falls ihr Interesse an einem der Workshops habt oder ihr bei einem eurer Festivitäten ebenfalls Knöpfe drücken möchtet, schreibt uns einfach eine E-Mail an: efa.erfurt@gmail.com



Fotos: Amina Zaidi

Workshopleitung: Toni Materne, Stephan Ratajczak, Andreas Tenner





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